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Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest Mitsubishi Pajero 3,2 DID Instyle 2011: Groß, geräumig, kraftvoll

Von Doris Jessen, geschrieben am 16. August 2012

Pferdeanhänger-zugfahrzeugtest Mitsubishi Pajero
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Mitsubishi_Pajero_3Nach fast 30 Jahren und vier Modellgenerationen gehört der Mitsubishi Pajero zu den bekanntesten Geländewagen weltweit. Im Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest gefiel er mit seiner beachtlichen Größe, die ein entsprechendes Raumangebot mit sich bringt, und der Anhängelast von 3,5 Tonnen. Damit  ist er für reisefreudige Reiter mit viel Gepäck ein ideales Fahrzeug.

Der Mitsubishi Pajero wird bereits beim ersten Anblick seinem Anspruch als „Geländewagen“ (im Unterschied zu den leichter gebauten SUVs) gerecht: Die Kühlerfront wirkt mächtig, als ob ihr auch die Kollision mit einem schwedischen Elch nichts anhaben könnte und am Heck prangt das Reserverad in einer stabilen Halterung. Spätestens beim Öffnen der Türen mit ihren wuchtigen Ausbuchtungen im unteren Bereich und dem Besteigen der matt glänzenden Seitentrittbretter, um in den deutlich erhöhten Fahrerraum zu klettern, weiß jeder: Der Pajero ist nicht nur für zahmes Fahren in gepflegten Innenstädten und auf glatten Autobahnen gebaut – seine besondere Begabung ist der Transport von viel Gepäck, im Zweifel sperrigem Gut, und natürlich das Ziehen schwerer Lasten auch auf matschigem Untergrund: Mit 3,5 Tonnen schleppt er schwere Pferdeanhänger mit bis zu drei großen Pferden problemlos vom Fleck.

Bequem und großräumig

Mitsubishi_Pajero_FahrersitzTrotz der robusten Äußerlichkeiten zeigt der Pajero im Innenraum eine durchaus elegante Note – zumindest das Topmodell „Instyle“ betreffend: Die schwarzen Ledersitze sind hart gefedert, aber sehr bequem und per Schieberegler elektrisch zu verstellen. Bandscheibengeschädigte dürfen sich auf die ebenfalls elektrisch aufpumpbare Lordosestütze freuen. Das Armaturenbrett und die Innentürverkleidung sind in schwarzem Kunststoff mit Ledernarbenoptik, wobei einige Teile in mattem Silber abgesetzt sind.

Im Testzeitraum hatten wir aufgrund der wechselnden Temperaturen ausreichend Gelegenheit, Heizung und Klimaanlage auszuprobieren – beide zur größten Zufriedenheit. Im Winter wird man bei beschlagenen Scheiden auch die beheizbaren Seitenscheiben schätzen. Für die letzte Sitzreihe sind die Fenster zur Seite ausklappbar.

Etwas sparsam ist der Pajero dagegen mit Ablagen ausgestattet, in die Türfächer kommt man selbst mit kleinen Händen bei geschlossener Tür kaum hinein. Dafür bietet die Mittelkonsole ein großzügiges, mehrfach unterteiltes (CD)Fach.

Platz für sieben Passagiere oder viel Gepäck

Mitsubishi_Pajero_Gep__ckraum_mit_3_SitzreiheMitsubishi_Pajero_R__cksitze_teilgeklapptDie hinteren Passagiere könnten etwas mehr Beinfreiheit vertragen, ganz eng wird es auf der dritten Sitzreihe, die auf den ersten Blick erkennbar leicht auszuklappen ist. Ist sie allerdings aufgestellt, bleiben nur noch 215 Liter Volumen für das Gepäck. Wieder im Boden verstaut, ist der Pajero allerdings ein Raumwunder: 663 bis 1.758 Liter können dann verstaut werden – und das sollte selbst für umfangreiches Turnier- oder Reisegepäck ausreichen. Die Zuladung insgesamt beträgt rund 650 kg.

Die Laderaumtür schwingt zur rechten Seite auf und lässt sich – zumindest mit dem Pferdeanhängermodell Böckmann Portax – komplett öffnen. Ob dies auch mit anderen, kürzeren Deichseln funktioniert, wäre im individuellen Fall auszuprobieren. Die Öffnung nach rechts ist speziell für den Gebrauch mit einem Pferdeanhänger praktisch, weil sich die Mehrzahl der Sattelkammern an der linken Anhängerseite befinden und man damit bequem den Zugriff sowohl auf die Sattelkammer als auch auf den Kofferraum hat.

Eher unpraktisch ist der Teppichboden im Laderaum, weil sich dort gerade Pferde und Hundehaare sehr leicht verfangen. Die zweigeteilte Sichtabdeckung im Laderaum kann in der Schiene verbleiben und Hunde (oder Gepäck) haben trotzdem noch Platz.Außerdem sind die Rücksitze natürlich umklappbar, so dass der gesamte hintere Raum als Ladekapazität zur Verfügung steht.

Mitsubishi_Pajero_reserveradDas Reserverad am Heck ist in der Halterung abschließbar und hat den Vorteil, dass es leicht zugänglich ist und nicht so schmutzig wird, wie wenn es am Unterboden befestigt wäre.

Jederzeit genau informiert

Sehr übersichtlich sind die Instrumententafel und der Bordcomputer: links der Tachometer und rechts der Tourenzähler mit roten Zeigern auf weißem Grund, der gerade eingelegte Gang erscheint ebenfalls deutlich lesbar. Oberhalb des „Mitsubishi Multi Communication System“ ist der Bordcomputer untergebracht, der auf Knopfdruck über den aktuellen Verbrauch, Tankreichweite, Außentemperatur geographische Höhe, Barometerstand und Außentemperatur informiert. Mitsubishi_Pajero_NaviDas Navigationssystem ist selbst erklärend und funktioniert einwandfrei.

Zu loben sind auch das Fahr- und Xenonlicht, die beide weit voraus leuchten.

Beeindruckend ist das „Rockford Acoustic Design Premium-Audi-System“ – kurz die Soundanlage, die ausgestattet mit vielfach zu regelnden Lautsprechern und Subwoofer, Musikbegeisterte erfreuen wird.

Kraft unter der Haube

Dass die Fahrt auch „ohne Krampf“ und auf unebenem Geläuf erfolgreich ist, dafür sorgt der kräftige 3,2 Liter 4-Zylinder-Dieselmotor mit 200 PS (147 kW), 3.800 Umdrehungen und dem hohen Drehmoment von 441 Newtonmeter, das bei 2.000 U/Min zur Verfügung steht. Ein Leisetreter ist der Pajero dabei nicht: Die startende Maschine bringt durchaus ein wenig LKW-Sound in die Fahrerkabine, erst in etwas höherer Geschwindigkeit nimmt das Geräusch ab. Das Fahrverhalten ist auf glatten Autobahnen bis 180 km/h sehr angenehm, wird der Straßenbelag schlechter, fühlt man sich zwischen 140 und 150 km/h wohl. Die Beschleunigung in 11 Sekunden auf 100 km/h ist für ein Auto dieser Gattung mit einem Leergewicht von knapp 2,4 Tonnen gut.

Zugeigenschaften für Schwerlasten

Apropos Leergewicht: Mit dem Pajero können endlich auch guten Gewissens Anhänger bis zu 2,5 Tonnen Gesamtgewicht 100 km/h schnell fahren werden. Mit Antischlingerkupplung sind sogar 2,7 Tonner so schnell zu ziehen. Die Berechnung zur 100 km/h-Regelung:

Leergewicht des Zugfahrzeugs x 1,1 = zul. Gesamtgewicht des Anhängers

Mit Antischlingerkupplung erhöht sich der Faktor von 1,1 auf 1,2. Mehr dazu hier.

Sehr angenehm speziell für Fahrten mit Pferdeanhänger ist das Fünfgang-Automatikgetriebe. Es schaltet völlig geräuschlos und weich. Die Lenkung ist direkt, das mit griffigem Leder überzogene Lenkrad bietet die mittlerweile üblichen Funktionen wie Tempomat, Radioeinstellung und Bluetooth-Telefonsteuerung, die eine Freisprecheinrichtung ersetzt. Bei allen Fahrten, ob nun Landstraße, Autobahn oder Gelände, genießt der Fahrer eine gute Aussicht nach vorne, seitlich und auch nach hinten.

Mitsubishi_Pajero_AHKIm Zusammenhang mit dem Zugbetrieb ist die etwas komplizierter einzuklinkende Anhängerkupplung von Thule ein kleines Ärgernis: Man braucht die Gebrauchsanweisung, um die Handgriffe zu erforschen und viel Kraft für das Spannen eines Hebels, die Frauenhände nicht unbedingt haben. Die die Elektrosteckdose an der rechten Seite der Anhängerkupplung ist ebenfalls etwas unpraktisch, weil man das Stützrad mit der rechten Hand üblicherweise von links bedient und beim Pajero dann nach rechts über die Deichsel klettern muss, um den Stecker einzusetzen. Das alles ist aber eher eine Frage der Gewohnheit als der Qualität: Funktioniert hat beim Testwagen alles perfekt.

Eine versäumte Chance ist allerdings die Rückfahrkamera, deren Bild beim Einlegen Rückwärtsganges im großen Display des Multimedia Centers erscheint und das Einparken erleichtert. Sie macht auf den ersten Blick Hoffnung auf mehr: Nämlich auf das einfache punktgenaue Heranfahren des Autos an die Anhängerkupplung des Pferdeanhängers. Fehlanzeige. Denn leider ist der Objektivwinkel so eingestellt, dass er die Fahrzeugkupplung nicht erfasst und man somit doch aussteigen muss, um die letzten Zentimeter zu kontrollieren. Das ist wirklich Schade…

Auf Nummer sicher: Permanenter Allradantrieb

Mitsubishi_Pajero_cockpitWie viele Fahrzeuge dieses Typs verfügt auch der Mitsubishi Pajero über diverse Varianten des Antriebs. So kann der Fahrer zwischen Zweirad/Hinterradantrieb und Vierradantrieb „Super Select 4WD (SS4-II)“ wählen. Dabei ist letzterer zu empfehlen, weil das „Geländepferd“ in den rasanter gefahrenen Kurven nur mit Zweiradantrieb etwas behäbig ist. Daher ist es aus Sicherheitsgründen, im Übrigen vor allem auch auf nassen oder im Winter glatteren Straßen, sinnvoll, immer im Allradantrieb zu fahren.

Zusätzlich sichern die aktive Stabilitäts- und Traktionskontrolle als integraler Bestandteil des AWC-Systems (All Wheel Control) auch in Grenzsituationen durch selektive Eingriffe in das Bremssystem und Motormanagement für beste Fahrzeugkontrolle. Wenn es einmal steiler bergab gehen sollte, sorgt die Motorbremskontrolle für das sichere Ankommen am Ende des Hanges.

Im Matsch zuhause

Jeder Reiter, sei es für Fahrten zum Turnier oder zum Ausreiten ins Gelände, kennt das Problem: Oft genug liegen die Parkplätze auf Wiesen oder an Feldwegen, deren Böden bei schlechtem Wetter durchaus tiefer werden können. Hier kann der Pajero nun sein wahres Talent zeigen. Denn wenn der Straßenallradantrieb nicht mehr ausreichen sollte, gibt es zwei weitere Varianten, die den „Karren aus dem Dreck ziehen“. Neben dem Automatikschalthebel bietet ein weiterer Schaltknüppel die Wahl zwischen 4HLC, dem Allradantrieb mit normaler Übersetzung und gesperrtem Mitteldifferenzial für mittelschweres Gelände und 4 LLC, dem Allradantrieb mit kurzer Übersetzung und gesperrtem Mitteldifferenzial für extreme Bedingungen. Wer durchs Wasser will – bitte ohne Pferdeanhänger(!)  – kann dies mit einer Wattiefe von 50 cm einfach tun, im Extremfall hält der Pajero auch 70 cm tiefen Wasserdurchfahrten Stand, dann allerdings dringt Wasser durch die Türen und die Insassen bekommen nasse Füße.

Der Vollständigkeit halber zu erwähnen (obwohl wir es nicht ausprobiert haben!) ist der Neigungswinkel von 45 Grad, der vielleicht für Kundengruppen wie Jäger interessant ist, die das Fahrzeug auch im Wald auf unwegsamem Gebiet einsetzen.

Für die Größe moderat im Verbrauch

Ein nahezu zweieinhalb Tonnen schweres, 4,90 m langes und knapp 1,90 m hohes Fahrzeug ist kein Leichtgewicht und bietet ordentlich Windwiderstand. Insofern ist der durchschnittliche kombinierte Verbrauch von 8,5 Litern Diesel (Herstellerangabe) moderat. Auf einer 500 Kilometer langen Autobahnfahrt von Hamburg Richtung München, davon 130 Kilometer mit Pferdeanhänger, verbrauchte der Wagen allerdings über 13 Liter. Dabei wurden Geschwindigkeiten zwischen 120 und 160 km/h gefahren. Ohne Anhang zurück (also quasi wieder bergab) und zwischen 100 und 110 km/h nahm der Durst mit 7,5 Litern deutlich ab.

Fazit

Das Traditionsmodell Pajero ist ein Fahrzeug, das anders als viele Wettbewerber sein Offroad-Image nicht gegen das elegantere SUV-Outfit eingetauscht hat und entsprechend bodenständig auftritt. Mit Kraft unter der Haube, Geländegängigkeit und Platz für Menschen und Gepäck ist er gerade für mobile Reiter eine gute Wahl. Das in der Pajero-Auswahl luxuriöseste Modell Instyle hat mit 52.290 Euro allerdings auch seinen Preis. Kann man auf den einen oder anderen „Schnickschnack“ verzichten, beginnt die 5-Türer-Serie bereits bei knapp 36.000 Euro.

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